KREFELD IM FOKUS

Porträt von Adelbert Tessun

Warum LIMITS DER POLITIK? Warum Krefeld?

Ich habe dieses Projekt ins Leben gerufen, weil mir Krefeld wichtig ist. Ich möchte verstehen, wie unsere Stadt funktioniert, wer Entscheidungen trifft und welche Folgen sie für die Menschen haben.

Einen Anstoß gab mir Kyle Scotts Buch The Limits of Politics. Schon sein Titel berührt eine Frage, die mich beschäftigt: Wo liegen die Grenzen politischen Handelns – und wer erinnert die Verantwortlichen daran?

Die Grenzen des Systems

Politik und rein rationale Modelle erfassen nur einen Teil des menschlichen Zusammenlebens. Literatur, Film und Kunst können unseren Blick erweitern: Sie lassen uns andere Lebenswirklichkeiten nachvollziehen und fördern eine moralische Vorstellungskraft, durch die wir Verbundenheit und Verantwortung füreinander entwickeln.

Sinngemäß nach Kyle Scott · Eigene Zusammenfassung, kein wörtliches Zitat.

Politik trägt Verantwortung. Sie entscheidet über öffentliche Mittel, setzt Prioritäten und gestaltet die Bedingungen unseres Zusammenlebens. Dazu gehört für mich, die Grenzen des eigenen Wissens anzuerkennen, zuzuhören und Entscheidungen nachvollziehbar zu begründen. Ein politisches Amt entbindet niemanden davon, sich kritischen Fragen zu stellen.

Mit „Limits der Politik“ möchte ich deshalb genauer hinschauen: beim Haushalt, bei städtischen Unternehmen und bei der Frage, wofür Geld vorhanden ist und wofür angeblich keines mehr reicht. Ich möchte Unterlagen zugänglich machen, Zusammenhänge verständlich erklären und Raum für begründeten Widerspruch schaffen.

Warum Politik Demut braucht

Politisches Wissen und menschliches Urteilsvermögen sind begrenzt. Je größer politische Einheiten werden, desto schwieriger wird es, Menschen als Einzelne wahrzunehmen. Scott wirbt deshalb für Demut: die eigene Fehlbarkeit anerkennen und politische Gewissheiten überprüfen. Literatur und Kunst können dabei helfen, Erfahrungen und Perspektiven anderer Menschen zu verstehen und politische Fragen mit größerer menschlicher Aufmerksamkeit zu betrachten.

Sinngemäß nach Kyle Scott · Eigene Zusammenfassung, kein wörtliches Zitat.

Für mich führt dieser Gedanke unmittelbar zum gesellschaftlichen und kulturellen Leben unserer Stadt.

Kultur umfasst für mich Theater, Museen und klassische Konzerte ebenso wie Sport, Karneval, Musikveranstaltungen, Clubs und das Vereinsleben. Dazu gehört auch eine Veranstaltungshalle, deren Programm und Atmosphäre die Bürger ansprechen und die sie gerne besuchen. Entscheidend ist, dass Menschen diese Angebote nutzen können, sich begegnen und etwas gemeinsam erleben.

Hier werden Erfahrungen weitergegeben, Fähigkeiten entwickelt und Beziehungen aufgebaut. Hier lernen Kinder und Jugendliche ihre Stadt kennen. Hier können Alteingesessene und neu Hinzugekommene miteinander vertraut werden. Regionale Kultur schafft Zugehörigkeit, wenn Menschen an ihr teilhaben können.

Ich habe das Gefühl, dass Krefeld davon etwas verliert – auch, weil finanzielle Mittel fehlen. Dieses Gefühl möchte ich zum Anlass nehmen, genauer hinzusehen: Welche Angebote verschwinden? Welche Orte fehlen? Wo werden Engagierte allein gelassen? Und welche politischen Prioritäten stehen dahinter?

Natürlich muss eine Stadt mit ihrem Geld verantwortungsvoll umgehen. Gerade deshalb müssen wir darüber sprechen, welche Folgen Einsparungen haben. Ein geschlossener Treffpunkt oder ein aufgegebenes Angebot lässt sich später möglicherweise nur schwer wiederbeleben.

Ich wünsche mir ein Krefeld, das seine Geschichte kennt, sein gesellschaftliches Leben pflegt und Menschen zum Mitmachen einlädt.

Dafür steht dieses Projekt: verstehen, nachfragen und Verantwortung einfordern – aus Verbundenheit mit dieser Stadt.

Adelbert Tessun

Unabhängig. Kritisch. Nachvollziehbar.

Die beiden Textkästen sind eigene sinngemäße Zusammenfassungen nach Kyle Scott, The Limits of Politics: Making the Case for Literature in Political Analysis, Lexington Books, 2016. Grundlage ist der vom Autor veröffentlichte Buchauszug auf VoegelinView vom 10. August 2017. Die anschließende Übertragung auf Krefeld und das regionale Kulturleben ist mein eigener Gedanke.